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Achillessehnenriss beim Völkerball in Reha kein Arbeitsunfall

Während einer vom Rentenversicherungsträger durchgeführten Rehabilitation greift grundsätzlich die gesetzliche Unfallversicherung. Ein bewusstes Ausweichmanöver beim Völkerball ist allerdings nicht dazu geeignet, einen Riss der Achillessehne zu bewirken, so die Richter am Landesozialgericht Darmstadt. Vielmehr hätten an der Achillesferse schon erhebliche Verschleißerscheinungen vorgelegen. Ein Arbeitsunfall sei hier nicht anzuerkennen.

Versicherter verletzt sich während einer Reha-Maßnahme beim Völkerball 

Ein 1960 geborener Versicherter aus dem Vogelsbergkreis befand sich in einer Reha-Klinik auf Kosten der Deutschen Rentenversicherung. Im Rahmen eines Völkerballspiels während einer Bewegungstherapiestunde erlitt er beim Ausweichen vor dem Ball einen Riss der Achillessehne. Die Berufsgenossenschaft lehnte Entschädigungsleistungen ab. Das Ereignis habe den Gesundheitsschaden nicht rechtlich wesentlich verursacht. An der Achillessehne des Versicherten hätten bereits zuvor ausgeprägte verschleißbedingte Veränderungen bestanden, so dass der Sehnenriss in absehbarer Zeit bei jeder normalen Verrichtung des täglichen Lebens eingetreten wäre. 

Degenerative Veränderungen der Sehne von überragender Bedeutung

Die Richter beider Instanzen gaben der Berufsgenossenschaft Recht. Während der vom Rentenversicherungsträger durchgeführten Rehabilitation habe zwar gesetzlicher Unfallversicherungsschutz bestanden. Die Achillessehnenruptur sei jedoch nicht auf das Ausweichmanöver beim Völkerballspiel zurückzuführen. Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand sei die bewusste seitliche Ausweichbewegung vor einem Ball generell nicht geeignet, die traumatische Ruptur einer (gesunden) Achillessehne zu bewirken. Die Achillessehne als stärkste Sehne des menschlichen Körpers sei vielmehr nur bei einer Belastung gefährdet, die nicht ihrer anatomisch-biomechanischen Bestimmung entspreche. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn der Vorfuß beim Hochgehen einer Treppe die Stufe verfehle und deshalb das gesamte Körpergewicht auf dem Vorfuß und damit auf der angespannten Sehne laste.

 Ausweichmanöver nur Auslöser der Ruptur

Ein seitliches Ausweichmanöver wie beim Ballspiel - für welches die Achillessehne gebaut und funktionell vorgesehen sei - sei nur zusammen mit den zum Unfallzeitpunkt vorhandenen (unversicherten) degenerativen Veränderungen für den Riss der Sehne verantwortlich. Bei dem geschädigten Versicherten habe die sehr ausgeprägte und leicht ansprechbare Schadensanlage insoweit eine überragende Bedeutung gehabt, während das Ausweichmanöver lediglich Auslöser und daher nicht wesentlich für die Ruptur gewesen sei. Ein Arbeitsunfall sei daher nicht anzuerkennen.

Weiterführende Links

Aus der Datenbank beck-online 

LSG Sachsen-Anhalt, Achillessehnenriss als Arbeitsunfall, NZS 2018, 506 

LSG Hamburg, Unfallversicherung, Verletztengeld, Arbeitsunfall, Arbeitsunfähigkeit, Muskelfaserriss, Achillessehnenruptur, Kausalitätsbeurteilung, Ursachenzusammenhang, BeckRS 2010, 71526  

LSG Bayern, gesetzliche Unfallversicherung - Arbeitsunfall - haftungsausfüllende Kausalität - Achillessehnenruptur - Physiotherapeut - Behindertensport - schneller Sprint in der Sporthalle, BeckRS 2009, 58181 

SG Detmold, Arbeitsunfall, betriebliches Ereignis, Achillessehnenriss, Wesentlichkeit, Verursachung, BeckRS 2009, 65198 

VG Braunschweig, Achillessehne Achilllessehnenruptur Dienstunfall, BeckRS 2007, 20941

zu LSG Hessen, Urteil vom 19.03.2021 - L 3 U 205/17
Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 19. März 2021.